Immaterielles Kulturerbe

Das Wissen der Handwerksmüller*innen wurde in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich aufgenommen.

Gemeinsam mit zwei niederösterreichischen Mühlen haben wir um die Aufnahme des Elements „Das Wissen der Handwerksmüller*innen“ in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes angesucht. Dieses Ansuchen wurde von der österreichischen UNESCO-Kommission befürwortet.

Begründung: Das beworbene Element entspricht dem Verständnis von lebendigen Traditionen, wie es im UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes dargelegt ist.

Wir freuen uns sehr über die Anerkennung!

Unter dem Begriff ‚Immaterielles Kulturerbe’ werden weltweit seit 2003 vielfältige gelebte Traditionen im Rahmen des „UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ dokumentiert und geschützt.

Ob darstellende Künste, Bräuche, Feste, Naturwissen oder Handwerkstechniken – alle Formen des immateriellen Kulturerbes sind immer von menschlichem Wissen und Können getragen. Die Sichtbarmachung dieser Vielfalt kultureller Praktiken fördert ein neues Verständnis für regionale Besonderheiten und leistet wertvollen Beitrag zu deren Erhaltung.

Zusammenfassung:

DAS WISSEN DER HANDWERKSMÜLLER*INNEN

Das Wissen der Handwerkmüller*innen beinhaltet viel Übung und Erfahrung, Experimentieren und technisches Wissen um verschiedene Getreidesorten zu Mehl, grobem Schrot, Vollkornmahlerzeugnissen oder Ölen zu verarbeiten. Das Arbeiten mit traditionellen Müllereimaschinen zur Herstellung von Mühlenprodukten, wie das Mahlen mit Mühlsteinen, ist heute nur noch in einigen Handwerksmühlen vertreten.

Die historischen Wurzeln des Müller*innenhandwerks reichen bis in die Antike zurück. Schon in der Jungsteinzeit wurde vor jeder Mahlzeit mittels steinerner Werkzeuge, aus Getreidekörnern Mehl gewonnen. Trotz stetiger Anpassung der Technologie und damit einhergehenden Methodik zur Getreideverarbeitung im Laufe der Jahrhunderte, sind es die Handwerksmüller*innen die vielfach verloren gegangene Kenntnisse und Bräuche wahren und weitergeben. Dieses Wissen umfasst unter anderem das Arbeiten mit traditionellen Müllereimaschinen (das Mahlen mit Mühlsteinen, das Klopfen von Mühlsteinen), Kenntnisse um die Beschaffenheit und Verarbeitungsmethode verschiedenster Getreidesorten, sowie den Umgang mit  lokalen Verarbeitungsketten.  

Die Handwerksmühlen verarbeiten bis zu 8 verschiedene Getreidearten; dadurch entsteht eine Vielzahl an Mehlen, Grießen und weiteren Getreideerzeugnissen. Die Weitergabe des Wissens erfolgt vor allem über Generationen im Familienverband und in Handwerksmühlen und nur zu einem Teil in der Berufsausbildung, welche jedoch mehrheitlich auf den Industriebetrieb ausgerichtet ist

Die soziale und kulturelle Bedeutung von Handwerksmüller*innen spiegelt sich besonders auf lokaler Ebene wieder. Durch die geringe Verarbeitungsmenge und das breitere Spektrum der verarbeiteten Getreidesorten, tragen die Handwerksmüller*innen zur Erhaltung der Biodiversität bei. In enger Zusammenarbeit mit den Landwirt*innen werden auch nach wie vor Lohnvermahlungen von Handwerksmüller*innen durchgeführt, wobei das Getreide gegen Mehl getauscht wird.

Die Anzahl der noch vorhandenen Handwerksmühlen in Österreich hat sich von 1994 bis 2016, von 278 auf nur mehr 99 aktive Betriebe reduziert. Formelle und informelle Weitergabe an die nächste Generation, Wert auf Regionalität sowie öffentliche Führungen in den Mühlen, Back- und Kochkurse sowie weitere lokale und nationale Initiativen tragen dazu bei, das Wissen weiterhin lebendig zu erhalten.